Von der Guten- in die Zuckerberg-Galaxis …

… und von der Informationsgesellschaft in die Desinformationsgesellschaft

 

Noch nie war es so billig und leicht, sich zu informieren, sich selbst ein zutreffendes Bild von der Welt da draußen zu machen. Das Internet macht es möglich.

Gleichzeitig war es noch nie so schwer, im Meer der Informationen die Quellen zu finden, die seriös sind, zuverlässig, um Wahrhaftigkeit und Objektivität bemüht, denn das Internet ist voll von Fakenews, Lügen, Verschwörungstheorien, Propaganda und Werbe- und PR-Fluten, die sich als Journalismus tarnen.

Zugleich war es noch nie so wichtig wie heute, zwischen Fakt und Fake unterscheiden zu können.

Und noch nie war es so wichtig wie heute, dass sich möglichst viele mündige Bürger die Informationen verschaffen, die sie brauchen, um sich selbst ein eigenes fundiertes Urteil zu bilden, denn wir leben mitten in einem großen Epochenwechsel: dem Übergang von der Guten- in die Zuckerberg-Galaxis.

Die Demokratie ist heute geradezu umzingelt von Feinden. Bei Amazon, Apple, Facebook und Google werden gerade all die Apps programmiert, mit deren Hilfe es möglich wird, zwei Dystopien des letzten Jahrhunderts zu realisieren: George Orwells 1984 und Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Eine schöne neue Bigbrother-Welt ist jetzt technisch machbar.

Und das ist nicht die einzige Gefahr. Bedroht sind die Demokratien auch von der Einmann-Diktatur des Herrn Xi, für den die schöne neue Bigbrother-Welt keine Dystopie, sondern eine Verheißung ist. Bedroht ist die Demokratie von jenen Heerscharen, die weltweit frauenfeindlich, schwulenfeindlich, fremdenfeindlich, nationalistisch, antisemitisch, islamophob unterwegs sind und gegen alles hetzen, was Demokraten wertvoll ist. Und bedroht sind Demokratien von der Internationale der Rechtspopulisten, Altnazis, Jungnazis, religiös-orthodoxen und fundamentalistischen Reaktionäre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

WDR 3 Mosaik 4. Dezember 2017

 

 

 

Blick ins Buch

 

Wir wollen vermitteln,

wie Medien funktionieren
was man von ihnen erwarten kann, und was nicht
wem sie gehören
wer in ihnen arbeitet, nach welchen Regeln
was diese Medienmaschine antreibt
welchen Einflüssen sie unterliegt und welchen Zwängen
wie objektiv und frei Journalisten berichten können
wie sich das jetzt alles ändert durch Facebook und Google
und warum zwischen der „wirklichen Wirklichkeit“
und ihrer Abbildung in den Medien eine Kluft besteht,
die nicht zu beseitigen ist.

 

 

 

 

 

 

EMYS-Sachbuchpreisträger im Januar

http://www.wis-potsdam.de/de/emys-preistraeger-monat/rebellische-moench-entlaufene-nonne-und-groesste-bestseller-aller-zeiten

Eine „beeindruckende, unterhaltsame und lehrreiche Lektüre zu Luther und seiner Zeit, die aus der Vielzahl der zum Jubiläumsjahr schon erschienenen Titel heraussticht und keinen Moment lang mit dem erhobenen Zeigefinger argumentiert“ (Jury des EMYS-Sachbuchpreises).

„… sprachlich herausragende, psychologisch einleuchtende, klar strukturierte Biografie“ (DIE ZEIT, Judith Scholter)

                                                                                                    Leseprobe

 

Christian Nürnberger über das Buch:

Er war ein absoluter Nobody, ein kleines Nichts von einem Mönch aus der mitteldeutschen Provinz. Und doch hat er die damals herrschenden Supermächte – Kaiser und Papst – in ihren Grundfesten erschüttert. Wie hat er das gemacht?

Er ist als mittelalterlicher Mensch geboren worden und ist als mittelalterlicher Mensch gestorben, hat an den Teufel, die Hölle, an Dämonen und Hexen geglaubt und Kopernikus für einen Dummkopf gehalten. Was soll so ein vorvorgestriger Kerl einem airpodverstöpselten, in sein Smartphone vertieften Menschen von heute noch zu sagen haben? Warum sollen wir uns für so einen nach einem halben Jahrtausend noch interessieren?

War er nicht ein Vollantisemit, Bauernschlächter, Kriegstreiber und Sexist? Sollten wir ihn daher nicht eher hassen als ihn feiern? Gibt es irgend etwas, wofür wir ihn lieben oder wenigstens ehren oder ihm unseren Respekt erweisen sollten?

Ist er eigentlich ganz allein an der Kirchenspaltung schuld? Und war diese Spaltung nötig? Und warum ist eigentlich der katholischen Kirche nicht mehr gelungen, was ihr ein Jahrhundert zuvor noch problemlos gelungen war? Da hatte sie in Konstanz den Ketzer Jan Hus verbrannt. Mit Martin Luther hat das nicht mehr geklappt? Warum? Was war anders?

Er lebte in ständiger Angst vor der fürchterlichen Strafe Gottes für seine Sünden. Seine Frage war: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Unsere Frage lautet eher: Gibt es Gott überhaupt? – falls sich nicht auch diese Frage schon längst für uns erledigt hat. Wenn sie sich aber erledigt hat, warum sollten wir dann heute noch nach Luther fragen?

Luthers Angst vor Höllenqualen lässt ihn leidenschaftlich, verzweifelt, masochistisch forschen, denken und grübeln, ob das wirklich sein kann, dass ihn am Ende der Teufel erwartet. Und dann macht er die Entdeckung seines Lebens, die zur Jahrhundertentdeckung wird und in ein neues Gottesbild mündet, das dem amtlichen der Kirche fundamental widerspricht. Es hat Europa und die Welt mindestens so sehr verändert wie das neue Weltbild des Kopernikus. Und es hat seinen Entdecker, Martin Luther, zum Reformator reifen lassen, zum Gründer einer neuen Kirche, Bibelübersetzer, Schöpfer der deutschen Sprache, Schriftsteller, Bestseller-Autor und Ahnherr der Institution des evangelischen Pfarrhauses.

Wir können das heute kaum noch verstehen. Es verstehbar zu machen, ist ein Anliegen dieses Buches. Auf die gestellten Fragen verstehbare Antworten zu geben, wird in dem Buch versucht. Dabei doziert es nicht, sondern erzählt, begründet, warum es vielleicht doch nicht ganz dumm sein könnte, die Stöpsel mal aus den Ohren zu nehmen und zu lesen, was da eigentlich abging, damals vor 500 Jahren.

Das Buch ist der Versuch einer doppelten Übersetzung. Übersetzt wird zum einen, was Experten in ihrer Expertensprache darüber geschrieben haben, in ein allgemein verständliches, leicht zu lesendes Deutsch, mit der Konzentration aufs Wesentliche. Und zum anderen ist es der Versuch, von dem Ufer, an dem Luther und seine Zeitgenossen vor einem halben Jahrtausend gestanden haben, überzusetzen auf das andere Ufer, an dem wir heute stehen.

Und weil dieser Mönch damals skandalträchtig eine entlaufene Nonne geheiratet, mit ihr Kinder gezeugt und die Tradition des evangelischen Pfarrhauses begründet hat, beschreibt meine Frau Petra Gerster, wer das eigentlich war, diese Katharina von Bora, Luthers „Herr Käthe“, wie er zu sagen pflegte.

Irmela Schautz hat das Buch genial illustratiert.

Weil es aus einem Jugendbuchverlag kommt, gilt es als Jugendbuch. Aber in Wahrheit ist es ein Buch für alle ab 14 Jahre aufwärts, für Protestanten und Katholiken, Agnostiker und Atheisten, ja sogar für Migranten und Muslime, denn die Reformation war nicht nur eine Kirchenreform, sondern eine Kulturrevolution nicht nur in  Deutschland, sondern in der Welt.

http://www.thienemann-esslinger.de/gabriel/buecher/buchdetailseite/der-rebellische-moench-die-entlaufene-nonne-und-der-groesste-bestseller-aller-zeiten-martin-luther-isbn-978-3-522-30419-1/