Die fehlende Klugheit der Reichen

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Lesefrüchte, Folge 2
über die wachsende Ungleichheit und deren Folgen

Gleichheit zählte nicht allzuviel während des letzten Vierteljahrhunderts und wurde stets gern mit „sozialistischer Gleichmacherei“ und „Leistungsfeindlichkeit“ gleichgesetzt. Allmählich aber zeigen sich die gesellschaftlichen und politischen Folgen dieser Geringschätzung eines Grundwerts aus der Trias Freiheit-Gleichheit-Solidarität. Und es sind Ökonomen, die auf die negativen Folgen wachsener Ungleichheit hinweisen:

„Die schlimmste Folge von Ungleichheit ist Armut“ sagt der Ökonom Tony Atkinson im Interview mit der FAS (29.03.2015). Außerdem glaube er, „dass in allen wichtigen politischen Fragen unserer Zeit die Ungleichheit zwischen den Generationen eine Rolle spielt: von der Bekämpfung des Klimawandels über den Schuldenabbau bis zu den Pensionslasten in westlichen Gesellschaften“. Auch „die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern“ gehörten dazu.

„Wenn es zu viel Ungleichheit in einer Gesellschaft gibt, hat das irgendwann Folgen für den wirtschaftlichen Erfolg. Sogar die IWF-Chefin Christine Lagarde macht sich mittlerweile Sorgen, dass Ungleichheit das Wachstum mindert. Außerdem sinkt die Lebenserwartung, und Probleme wie Fettleibigkeit nehmen zu, wenn eine Gesellschaft ungleicher wird“ (Atkinson).

In derselben Ausgabe der FAS sagt der Finanzwissenschaftler Didier Sornette im Interview mit Dyrk Scherff: die Krisenpolitik der Zentralbanken könne nicht nur zu Finanzblasen an den Aktienmärkten führen, sondern auch zu „sozialen Blasen“ in der Gesellschaft. „Denn das viele billige Geld fließt an die Aktienmärkte und mehrt damit den Reichtum der ohnehin schon Vermögenden. Denn sie und nicht die Armen investieren vor allem in Aktien. Das heißt: Die Geldpolitik vergrößert die soziale Ungleichheit.“

Und das, so sagt wiederum Atkinson, sei auch schlecht für die Demokratie, denn die Vermögenden nähmen „gefährlich viel Einfluss auf die Politik“, zumindest im angloamerikanischen Raum. Damit aber schadeten sich die Reichen mittel- und langfristig selbst, argumentiert Sornette, weil die Ungleichheit dazu führe, „dass bei Wahlen extreme, eurofeindliche Parteien gewinnen, wie Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien oder der Front National in Frankreich. … Stellen Sie sich mal vor, Frankreich würde nach solchen Wahlen aus dem Euro austreten! Das hätte massive Folgen für die Finanzmärkte. Die Kurse würden einstürzen.“ Wenn die Vermögenden also klug wären, würden sie eine Politik unterstützen, die auf sozialen Ausgleich setzt.