Fehlt uns eine liberale Kraft?

Fehlt uns eine liberale Kraft? Ja.
Fehlt uns die FDP? Vermutlich nimmer.

Es wird aber eines Tages wieder sehr modern sein, liberal zu sein. Dann wird einer kommen, der wird eine geradezu donnernde Entdeckung machen: er wird den Ein-zelmenschen entdecken. Er wird sagen: „Es gibt einen Organismus, Mensch geheißen, und auf den kommt es an. Und ob der glücklich ist, das ist die Frage. Dass er frei ist, das ist das Ziel. Es kommt nicht darauf an, dass der Staat lebe, es kommt darauf an, dass der Mensch lebe!“ Die Leute werden seiner These zujubeln und werden sagen: Das ist ja ganz neu! Welch ein Mut! Das haben wir noch nie gehört!

Kurt Tucholsky hat das 1930 geschrieben. Die FDP sollte das eigentlich an jedem Dreikönigsparteitag laut vorlesen. Und dieses Programm zwischen ihren Dreikönigstagen mit Leben und Inhalt erfüllen. Aber wird sie das können?

Christian Lindner hat so eben der SZ ein Interview gegeben und bei mir genau das zwiespältige Gefühl hinterlassen, das ich habe, seit die FDP aus den Parlamenten geflogen ist. Tatsächlich vermisse ich schon lange eine liberale Kraft von der Art, wie Tucholsky sie skizziert. Nur war die FDP diese Kraft nicht. Linder spürt etwas davon, aber ganz kapiert hat er’s noch nicht. Mit ein paar guten Sätzen pirscht er sich den Tucholsky-Liberalismus heran, und mit reichlich Parteipolitiker-Bullshit entfernt er sich wieder davon. Und leider steigt er damit ein.

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