Was man an einem einzigen Sonntagvormittag für vier Euro zwanzig alles lernen kann

 

Das Saarland ist arm, aber clever. Winzig, hoch verschuldet, weit weg. Irgendwie nur ein Landkreis kurz vor Frank­reich. Aber: Der schrumpfende Zwergstaat, in dem rund 1,2 Pro­zent der deut­schen Be­völ­ke­rung leben, stellt 14 Prozent der Generalsekretäre der sie­ben im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en und un­ter den Mi­nis­tern der Bun­des­re­gie­rung voraussichtlich 12 Pro­zent des Per­so­nals. Liegt vermutlich an der Mentalität des Saarländers, der als tüchtig, fleißig, bodenständig, handwerklich begabt und als begeisterter Vereinsmeier gilt. Der Saarländer Peter Altmaier kön­ne Elek­tro­ka­bel ver­le­gen, ta­pe­zie­ren und ma­lern, sagt er. Und: „Wenn ein Saar­län­der nach Ber­lin kommt, dann weiß man: Der hat den Werk­zeug­kof­fer da­bei. Der Saar­län­der denkt nicht von vorn­her­ein kon­fron­ta­tiv, son­dern in­te­gra­tiv.“ Und offenbar versteht er es auch, sich seine Schulden aus Berlin bezahlen zu lassen. Vielleicht, weil er halt immer  irgendwie sympathisch rüberkommt, der Saarländer. Und wenn nicht, versteht er es trotzdem, sich irgendwie durchzusetzen. Jedenfalls spielt er häufig in der ersten Liga , ob er nun  Pe­ter Alt­mai­er, An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, Hei­ko Maas oder Os­kar La­fon­tai­ne heißt. Oder als Wahl-Saarländerin Sah­ra Wa­genk­necht dessen Ehefrau ist. In Karls­ru­he ur­teilt Pe­ter Mül­ler über das Wir­ken all die­ser Po­li­ti­ker, einst CDU-Mi­nis­ter­prä­si­dent in Saar­brü­cken, jetzt als Ver­fas­sungs­rich­ter zu­stän­di­ger Be­richt­er­stat­ter aus­ge­rech­net für Wah­len und Par­tei­en­recht. Und die SPD strei­tet noch im­mer über die Re­for­men, die ein frü­he­rer VW-Ma­na­ger aus dem Saar­land hin­ter­ließ. Sein Na­me ist Pe­ter Hartz. Nicht zu vergessen: Auch Honecker war Saarländer. Und jetzt kriegen wir halt halt die Saarländerin, das Annegret. Wird allgemein gelobt, dass sie etwas riskiert. Vom sicheren Job als MP auf den Schleudersitz der Generalsekretärin. Aus dem gemütlichen Saarland in die Berliner Quadratmeile Wahnsinn, die sich Regierungsviertel nennt. Als gläubige Katholikin irgendwie konservativ, als Sozialpolitikerin eher links, drei Kinder, um die sich ihr Mann kümmert. Flüchtlingen muss schnell und effizient geholfen werden, kar, aber wenn die Sperenzchen machen, wenn die Männer beispielsweise kein Essen von Frauen annehmen wollen, dann gibt’s halt kein Essen. Da kann das Annegret kerzengeradeaus denken.

Merkel scheint eine gute Wahl getroffen zu haben.

Nur eines hat sie nicht bedacht: Wie soll die aufstrebende Weltmacht China mit Annegret Kramp-Karrenbauer zurechtkommen, wenn ihr Name für Chinesen unaussprechlich ist? Gut, sie könnten es sich einfach machen und einfach Anneglet Klampkallenbauel sagen. Aber so einfach machen sich Chinesen die Sache nicht. Um Hilfestellung zu leisten, hat sich die FAS deshalb schon mal in die Feinheiten des Chinesischen vertieft, und da muss man wissen, dass die Chinesen mit relativ wenig Silben auskommen, diese aber  je nach Aussprache und Melodie ganz verschiedenes meinen können. Ma ma ma zum Beispiel kann heißen: Die Mutter beschimpft das Pferd. Betont man ein bisschen anders, bedeutet ma ma ma „das Pferd beschimpft die Mutter“. Ob Pferd oder Chinese, man sollte jedenfalls immer genau hinhören.

Sollte auch Annegret Kramp-Karrenbauer tun. Annagelaite Kelapu-Kahängbaoar wäre eine Möglichkeit, weil schön neutral, bedeutungslos, kein Anklang von „riechen“ oder „Abfall“ dabei. Besser aber wäre Annäigeläite Kelanpu – so kommt eine Orchidee in den Namen hinein, und mit der Silbe läi der Donner. Es ginge aber auch mit einer Silbe, die eine Knospe reinbrächte. Wenn Annegret Kramp-Karrenbauer aber lieber Donner als Knospe im Namen hat, sollte sie sich schnell darum kümmern.

 

Die Deutschen lieben ihre Stadtwerke. Und die Stadtwerke lieben es, sich nicht nur um Strom, Wasser, Gas, Fernwärme zu kümmern, sondern um alles, wofür sich niemand findet. In Bautzen betreiben sie einen Saurierpark, in Neustrelitz haben sie einen Tiergarten gerettet, in Schwedt ein Kino, in Dortmund sie einen See angelegt, in Flensburg managen sie einen Hafen und einen Flugplatz. Ob das alles auch wirtschaftlich ist, davon schweigt die Geschichte. Zurecht. Denn hier geht‘s irgendwie um deutsche Leitkultur. Heimat. Regional. Muss ja. Also voll korrekt.

 

Die Rolle des Schießgewehrs in den USA ist unsereinem ungefähr so schwer zu vermitteln wie die Rolle der Kuh in Indien. Aber wenigstens habe ich jetzt gelernt, dass es nicht das Geld der Waffenlobby ist, die eine Verschärfung der Waffengesetze immer wieder verhindert. Die National Rifle Association, der Dachverband amerikanischer Waffenbesitzer, befindet sich in der Rangliste der Lobbygruppen, die am meisten Geld an die Parteien verteilen, nicht einmal unter den ersten fünfzig. An deren Spitze stehen zum Beispiel die Pharmaindustrie, die Vereinigung der Immobilienmakler und der Verband der Krankenhausbetreiber. Sie geben jedes Jahr mehrere hundert Millionen Dollar für die politische Einflussnahme aus. Der Waffenverband spendet nur wenige Millionen.

Es ist also nicht so sehr das Geld, das die US-Waffenindustrie unangreifbar macht. Sondern es sind die Amerikaner. Von denen sind mehr als fünf Millionen Mitglieder der NRA. Sie ist der zweitgrößte Verein des Landes. Aber auch diese fünf Millionen potentiellen Wähler sind noch nicht der letzte Grund für die Waffenliebe der US-Amerikaner. Der ist viemehr in der Verfassung, in den höchstrichterlichen Urteilen und in der Geschichte des Landes zu finden.

Gerichte bis zum Supreme Court haben das Recht jedes einzelnen Bürgers, Waffen zu kaufen und zu tragen, immer wieder bestätigt. Nicht entgegen der Mehrheitsmeinung, sondern in deren Sinne. Bestimmte Beschränkungen, was beispielsweise das Mindestalter für einen Kauf angeht, tolerieren die Bürger zwar. Viel mehr aber nicht. In Amerika ließe sich keine Wahl mit der Position gewinnen, Waffenscheine von Käufern zu verlangen.

Dieser tief verwurzelte Wille, sich jederzeit selbst verteidigen zu können, wurzelt in der Geschichte und der Verfassung, in deren zweitem Zusatz steht: „Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu führen, nicht beeinträchtigt werden.“ Die Gründungsväter der Vereinigten Staaten wollten ihre Bürger also nicht bewaffnen, damit sie jagen oder Einbrecher vertreiben können, sondern damit sie sich wehren können, wenn ein Tyrann an die Macht kommen sollte. Da kann man froh sein, dass im Weißen Haus derzeit kein Tyrann, sondern nur ein Idiot sitzt.

Waffengewalt steht auch am Anfang der US-Geschichte. Mit Hilfe von Waffen haben sie die Ureinwohner des Kontinents erledigt. Mit Hilfe der Waffen haben sie sich deren Besitz angeeignet.

Nebenbei: Unter vier Toten machen sie es nicht in den USA. Heißt: Für das FBI gilt erst ein Angriff mit vier Toten oder mehr als „school shooting“. Über weniger Tote wird wenig berichtet, obwohl sie zum Alltag gehören. Seit ein Verbot für den Kauf von Sturmgewehren 2004 ausgelaufen ist, haben sich Schießereien an Amerikas Schulen vervielfacht. Jeden Tag wird dort gefeuert.

Es wäre an der Zeit, über die Rolle der Waffe, die Verfassung und die Geschichte des Landes mal gründlich nachzudenken. Vielleicht schaffen es ja jene Schüler, die in Waffen keinen Schutz mehr sehen, sondern eine Bedrohung ihres Lebens.

 

Könnte man klimaneutral leben? Ja. Aber ist schwer. Eigentlich fast unmöglich. Keine Fernreisen mehr. Fahrrad statt Auto. Sich vegetarisch ernähren, noch besser vegan. Äpfel nur von der Streuobstwiese. Wenn die aus sind, dann die vom Bioladen. Aber nur bis März. Danach sind die aus Neuseeland besser. Aber auch nur, wenn man mit dem Rad zum Bioladen fährt statt mit dem Auto. Kürzer duschen, und nicht zu heiß. Immer das Licht ausmachen. Und nachts alle Stecker von den Geräten ziehen. So, auf diese Weise, hat die Familie Pinzler-Wessel von 42 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr auf 29 Tonnen gesenkt. Klimaneutral wären zwei Tonnen.

„Vier fürs Klima. Wie unsere Familie versucht, CO2-neutral zu leben“, heißt das Buch, in dem Petra Pinzler und Günther Wessel erzählen, wie das so geht mit dem klima-neutralen Leben. Erscheint am 1. März im Droemer Verlag (18 Euro).

 

Laut Goldenem Blatt, so steht es in der FAS, wird die Hoch­zeit von Prinz Har­ry und Meg­han ziemlich stressig: Ab 12 Uhr Trauungszeremonie, aber vorher muss Meg­han mor­gens in aller Früh erst noch ge­tauft und kon­fir­miert wer­den, da­mit sie als tadellose Anglikanerin vorm Traualtar steht. Tau­fe, Kon­fir­ma­ti­on und Hoch­zeit an ei­nem Tag! „Und wie blöd für die Gäs­te, die dann gleich drei Ge­schen­ke kau­fen müs­sen“, merkt die FAS an und fragt besorgt, ob Meghans von der Tau­fe klatsch­nas­sen Haa­re bis zum Ja­wort wohl wie­der ge­trock­net sein werden?

Das ist jetzt nicht direkt meine Sorge, aber ich finde es gut zu wissen, dass in der FAS nicht nur die großen Probleme der Weltpolitik bedacht werden, sondern auch die noch größeren Probleme des Höchst-Adels gut aufgehoben sind. Wäre allerdings interessant zu wissen, wie hoch der CO2-Ausstoß dieser Hochzeit ist.

 

Interessant zu wissen wäre auch, was genau man sich unter einem „System Weinstein“ vorzustellen hat. Der New Yorker Generalanwalt Eric Schneidermann bringt uns da einen großen Schritt voran. Er hat mehr als vier Monate lang den Fall untersucht und ist auf drei Gruppen von Mitarbeitern gestoßen, überwiegend Frauen, die Weinstein nicht etwa ihrer Qualifikation gemäß, sondern zur Organisation seines ausschweifenden Sexuallebens engagiert hat.

Die Aufgabe der ersten Gruppe bestand darin, Weinstein zu Veranstaltungen zu begleiten und ihm bei seinen „sexuellen Eroberungen“ zu helfen. Der Job der zweiten Gruppe: die „Bibel“ genannte Kontaktliste von etablierten oder potentiellen Sexualpartnerinnen verwalten und dafür sorgen, dass seine dienstlichen Termine genügend Lücken für Eskapaden ließen. Die dritte Gruppe, überwiegend weibliches Führungspersonal: entgegen ihrer Stellenbeschreibungen Sexualpartnerinnen kontaktieren. „Für Harvey Weinstein zu arbeiten bedeutete, unter einem Sperrfeuer von geschlechtsspezifischen Obszönitäten, vulgären Beschimpfungen, anzüglichen Eingriffen und Drohungen mit Gewalt zu arbeiten“, resümiert der Generalanwalt. Es ist anzunehmen, dass über all die Jahre so gut wie alle, bis hinauf zur Führungsspitze, immer bescheid gewusst haben.

 

Das System Weinstein hat die ganze Branche erschüttert, zu erspüren auch auf der diesjährigen Berlinale, wo die #Metoo-Debatte überall dabei war. Warum sich Machtmissbrauch am Set vielleicht doch von dem im Großraumbüro unterscheidet. Inwiefern ein falsch verstandener Geniekult in der Film- und Fernsehwelt blind und stumm macht gegenüber intolerablem Verhalten. Welche Regeln womöglich selbst die Freiheit der Kunst akzeptieren muss. Ob Schauspieler eher über sich hinauswachsen, wenn man sie über ihre Grenzen zwingt, oder dann, wenn sie sich sicher fühlen.

Für die einen ist der Unterschied zwischen Flirt und Belästigung, zwischen Erotik und Übergriff glasklar, für andere nicht. Die einen empfinden die Debatte als befreiend, andere fürchten eine falsche Prüderie. Manch einer hofft auf eine gesellschaftliche Umwälzung, auf den Abbau von Hierarchien und ein gleichberechtigtes Miteinander der Geschlechter. Wie aber geht man mit entlarvten Tyrannen um? Wie mit ihrem Werk? Wird uns noch länger beschäftigen, und das ist gut so.

 

Was Weinstein da über Jahrzehnte praktiziert hat, könnte man wohl auch „sexuelle Autonomie“ nennen, und um die geht es gewisserweise auch in einem neuen Buch, dem zu entnehmen ist, dass sich der Kapitalismus zu Tode gesiegt hat und seitdem ununterbrochen versagt. Weiß man natürlich schon lange. Aber seine Verteidiger sterben nicht aus, daher ist nach 1001 kapitalismuskritischen Büchern auch das 1002. nicht überflüssig. Geschrieben hat es der Politikwissenschaftler Patrick Deneen, der gerade mit seinem Buch „Why Liberalism Failed“ viel Aufsehen erregt. Er bezeichnet den Kapitalismus also als Liberalismus. Darüber kann man streiten, aber ob nun so oder so: Eine von Deenens Thesen lautet, eben weil es dem Kapitalismus/Liberalismus tatsächlich gelungen sei, den Einzelnen aus allen persönlich geprägten Beziehungen, Traditionen und Kulturen herauszulösen, sei dieser Einzelne heute den Mächten sowohl des Markts wie des Staats unvermittelt ausgeliefert. Deshalb seien die gesellschaftliche Atomisierung, eine globalisierte Verantwortungslosigkeit, wie sie sich etwa in der Weltfinanzkrise ausgedrückt hätte, die Zerstörung der Natur überhaupt und die drohende illiberale Demokratie keine zufälligen Begleiterscheinungen des Liberalismus, sondern eine direkte Folge seines ursprünglichen Programms. Der einzige Teil der konservativen Agenda, der kontinuierlich realisiert werde, seien ökonomische Deregulierung, Globalisierung, Schutz der sozialen Ungleichheiten. Und das Einzige, was durchgängig vom linken Programm übrig geblieben ist, sei das Projekt der individuellen und insbesondere sexuellen Autonomie.

Wie gesagt, nicht wirklich neu, diese These, es kann aber nie schaden, immer mal wieder und noch einmal von neuem über etwas so Grundsätzliches wie das Verhältnis von Individuum, Markt und Kultur nachzudenken. Und in der Person Weinsteins kommt wohl beides zusammen: organisierte Verantwortungslosigkeit bei gleichzeitiger sexueller Autonomie.

 

Über die Österreicher wird hierzulande viel zu selten grundsätzlich nachgedacht und eigentlich immer nur fraglos zur Kenntnis genommen, dass Ösis sehr auf ihr Eigenes bedacht sind und sich daher mit großer Sorgfalt vom verhassten Piefke-Staat im Norden abgrenzen. Daher gibt’s aus Österreich immer Null Punkte für die Deutschen beim ESC. Als man noch mit Schillingen bezahlte, konnte man Kellner erleben, die rot vor Zorn wurden, wenn man in Wien fragte, ob man auch mit D-Mark bezahlen könne. Und hochempfindlich reagiert der Ösi, wenn man ihr Salzburger Wolferl, also den Mozart, als Deutschen vereinnahmt. Dafür reklamieren sie dann den in Wien gestorbenen Bonner Beethoven für sich, und schieben uns Hitler unter, dessen Opfer sie geworden sind. Und zu Tomaten sagen sie Paradeiser, zu Blumenkohl Karfiol, Polizisten heißen Kiberer und Penner Sandler – in ihrem Bemühen, deutsches Vokabular durch eigenes zu ersetzen, haben es die sprachschöpferisch genialen Ösis schon weit gebracht.

Das alles stand nicht in der FAS, das muss man aber vorausschicken, um mit der Überraschung fertigzuwerden, die uns die FAS nun serviert: In Österreich gibt es Leute, die wollen irgendwie heim ins Reich, also ins deutsche. Deutschnationale Burschenschafter, von denen jetzt einige in der Regierung sitzen, bekennen sich zum „deut­schen Va­ter­land, un­ab­hän­gig von be­ste­hen­den Gren­zen“, und halten die ös­ter­rei­chi­sche Na­ti­on für ei­ne „ge­schichts­wid­ri­ge Fik­ti­on“. Man verehrt Luther und ist hübsch antisemitisch.

Klingt beunruhigend,  aber ich denke, auf die österreichische Abneigung gegen die Piefkes ist Verlass, daher wird den Heim-ins-Reichsdeutschen schon noch beizeiten ordentlich heimgeleuchtet werden, auch wenn sie jetzt in der Regierung hocken.

 

Man muss kein Ösi sein, um einen Ösi zu spielen. Du musst auch niemanden umbringen, um einen Mörder spielen zu können. Intelligenz hilft. Und halt die Beherrschung des Handwerks. Solcherlei Einsichten vermittelt Désirée Nosbusch, die nichts davon hält, sich als Schauspieler mit seiner Rolle zu überidentifizieren wie Dustin Hoffmann, der einst für „Marathon Man“ 72 Stunden nicht geschlafen hat, weil seine Figur auch für drei Tage wach geblieben ist. Laurence Olivier habe damals zu ihm gesagt: „Why don’t you try acting?“

Die bei uns lange nicht mehr gesehene Nosbusch hat noch nie in einer Bank gebarbeitet, aber spielt jetzt eine kühle Bankchefin in „Bad Banks“, der neuen ZDF-Serie, die schon jetzt in der Mediathek abrufbar ist und am 1. und 2. März auf arte läuft.

Werde ich mir anschauen.

 

Lampen, Stühle, Teppiche, Wandverkleidungen gibt’s kann man auch aus Kräutern, Pilzen, Gräsern, Moos und Samen fertigen. Der Tiroler Hersteller Organoid möchte damit die „Natur in die Räume bringen“.

Was auf den Fotos zu sehen ist, ist hübsch hässlich, und wieviel Leben man sich damit sonst noch in die Räume holt, will man gar nicht wissen. Aber ist natürlich ökologisch voll korrekt.

 

Dann vielleicht doch lieber eine Efeu­tu­te, drei schul­ter­ho­he Gold­frucht­pal­men und einen Bo­gen­hanf. Die Palme deckt den Sauerstoff eines Menschen, der nacht­ak­ti­ve Bo­gen­hanf er­le­digt die glei­che Ar­beit wäh­rend der Dun­kel­heit. Und die Efeu­tu­te fil­tert Che­mi­ka­li­en aus der Luft. Trä­nen­de Au­gen, ge­reiz­te Schleim­häu­te, ju­cken­de Haut, Husten und Schnupfen soll es dann nicht mehr geben, wenn diese drei die Wohnung und das Büro bevölkern.

 

Vielreisende Vieltelefonierer und heavy Smartphone-User haben meist nur eine Frage: Wo ist die nächste Steckdose? In vielen Hotelzimmern Mangelware. Nicht selten muss man auf dem Boden herumkriechen, um fündig zu werden. Erlösung bietet die Designerin Lotte Douwes. Sie lässt die Steckdosen von der Decke hängen, neben Deckenleuchten im gleichen Design, so dass die Steckdosen nicht weiter auffallen.

 

Salat – und vieles andere – kann man auch daheim im dunklen Keller anbauen. Ohne Schnecken. Ohne Angst vor Frost, zuviel Regen oder zu viel Sonne. Man braucht dazu eines dieser Zelte, in denen gewisse Typen zuhause ihre Joints wachsen lassen. Also geht man in einen sogenannten Headshop, der Adresse für alles, was es für den heimischen Hanfanbau so braucht. Das so freundliche wie kundige Personal empfiehlt Leuchttypen und hat auch diverse Zelte parat. Doch die sind zu groß. „Hat aber Standard-Kleiderschrankformat“, sagen sie mit einem Lächeln, das bedeutet: „Erzähl mir nix von Salat, Mutter!“ Salat geht aber definitiv auch. LED-Lampen ersetzen das Sonnenlicht, ein Granulat den Boden, und das ganze ist keine Marotte sondern ein kleines Experiment im Rahmen eines großen Projekts zur Welternährung: „Race to feed the world“. Dabei geht’s um die Frage, wie die zu erwartetenden neun Milliarden Menschen satt werden können. Schon heute gibt es Projekte, die beweisen, dass da in Städten vieles möglich ist. Das fängt ganz simpel beim Gärtnern auf Brachen und Parkplätzen an, die Aktivisten der Urban-Gardening-Szene machen es vor, und hört bei der Mobilisierung von Dächern zur Bienenhaltung und Champignonzucht nicht auf.

Ob das im Keller herangezogene Zeug auch schmeckt, ob sich das rechnet, und wie die Ökonilanz aussieht, wird noch erforscht. Die FAZ begleitet das Projekt. Infos unter www.faz.net/kellergemuese.

 

Wer nun sagt, wozu, wir haben doch jede Menge Krill als Nahrungsreserve in unseren Ozeanen, der irrt, denn auf einer anderen Seite der FAS kann man lesen: Stimmt nicht. „Erstens stellte sich heraus, dass nach dem Fang sehr schnell Fluorid in gesundheitlich bedenklicher Menge aus dem Panzer der toten Tiere in ihr Fleisch übergeht“. Zweitens ist die Krillmenge viel kleiner als bisher angenommen, und drittens ist der Geschmack wohl eher so, dass man schon sehr hungrig sein muss, um ihn zu genießen. Bundesforschungsminister Hans Matthöfer, Mitte der Siebziger einer der wichtigsten Förderer der Krillforschung, sagte nach einer Verkostung im schicken Bonner Restaurant „Am Tulpenfeld“, er selbst werde „vielleicht im Leben nie wieder Krill essen“.

 

Es gibt Google-Brillen, die sind böse. Und es wird bald Telekom-Brillen geben, die werden gut sein, ebenso wie der Telekom-Homepod, den es auch bald geben wird, und der mit „Hallo Magenta“ angesprochen werden und Siri und Alexa in den Senkel stellen möchte. Dann brauchen wir übrigens auch kein Smartphone mehr, denn wir regeln alles über die Magenta-Brille, und was sich nicht mir ihr regeln lässt, mit Magenta-Funktionskleidung und Magenta-Minidrohnen, und natürlich werden wir bis dahin dahin das supermegaschnelle Magenta-5G-Mobilfunknetz mit 250 Megabit pro Sekunde haben – sagt die Te­le­kom-Vor­ständin Clau­dia Ne­mat. Viele Seiten weiter hinten in der FAS sagen allerdings die Typen von „Technik & Motor“, dass wir noch sehr weit von dieser schönen neuen Magenta-Welt entfernt, und die Norweger viel näher dran sind. Die stehen derzeit nicht nur an der Spitze des Olympia-Medaillenspiegels, sondern auch an der Spitze des Mobilfunks. Sie surfen mobil mit Durchschnittstempo 40 Megabit/s, und es gibt kaum Funklöcher. 92 Prozent ihrer Fläche sind abgedeckt. Danach kommen die Holländer, Ungarn, Belgier, Bulgaren, Dänen, Serben und Kroaten. Und wir? Mit 22MBit/s und einer Versorgung von 65 Prozent liegen wir in Europa auf Platz 32 von 36. Da gibt’s noch einiges zu tun für Clau­dia Ne­mat.

 

Der Neandertaler wird unterschätzt. Auch er hat schon gemalt, und zwar rund 30.000 Jahre früher als die Höhlenkünstler von Lascaux, Al­ta­mi­ra oder der Grot­te Chau­vet. Und 66.000 Jahre früher als Picasso.

Johann Scheerer hat ein Buch über die Entführung seines Vaters Jan Philipp Reemtsma geschrieben: „Wir sind dann wohl die Angehörigen“. Es sei überwältigend, meint die Rezensentin Julia Encke, und ganz anders als das Buch, das der Vater darüber geschrieben hatte.

Das „Major Warming“ ist schuld, dass wir uns jetzt und wahrscheinlich auch noch im März warm anziehen müssen. Im nächsthöheren Stockwerk der Atmosphäre, der Stratosphäre, ist die Temperatur innerhalb weniger Tage von normalen minus siebzig Grad auf ungewöhnlich hohe minus elf gestiegen und hat die gesamte Luft-Zirkulation unsers Planeten durcheinander gebracht, sodass es in großen Höhen rund um den Pol deutlich wärmer war und ist als in den Regionen weiter südlich. Der Rest ist so kompliziert, dass Donald Trump wohl nie verstehen wird, dass es auf unserem Planeten zwar immer wärmer wird und es trotzdem an gewissen Tagen arschkalt werden kann.

Das alles und noch viel mehr und natürlich viel ausführlicher als hier zusammengefasst kann man lernen, wenn man an einem einzigen Sonntagvormittag die FAS von vorne nach hinten liest. Für weniger als den Preis einer Packung Zigaretten, eines Lippenstifts oder eines Hamburger Royal.