Der Groove aus der Gruft

Wenn es Gott gibt, dann schwänzt er den Kirchentag

Alle zwei Jahre das gleiche Wunder: Eine uralte Dame legt sich unter das Messer des Schönheitschirurgen, räumt die Kosmetikregale der Drogerien ab, begibt sich ins Scheinwerferlicht, wirbelt wie Marika Rökk übers Parkett und ruft in die Menge: „Seht her, wie jung ich bin; seht her, wie modern ich bin; laßt uns raven, grooven, schmusen, abhotten und ganz viel Spaß haben.“

Und die Jugend, angelockt von diesem zeitgemäßen Ton, kommt; denn trotz finanzieller Probleme hat die Dame noch immer Geld genug, um eine Party zu schmeißen. Deshalb findet die Jugend die Alte ziemlich cool und nimmt es ihr auch nicht übel, daß sie irgendwann doch noch ihre alten Geschichten erzählt, zumal sie sich redlich müht, das Altbekannte möglichst trendy zu stylen. Zweitausend Jahre ist die Dame alt; sie heißt Ecclesia oder Kirche, und in Stuttgart hatte sie gerade wieder ihre tollen Tage.

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