Mutige Menschen für Frieden, Freiheit und Menschenrechte

Interview mit Christian Nürnberger

Sehr geehrter Herr Nürnberger, sind Sie ein mutiger Mensch?

Das kann ich nicht sagen, und dass ich das nicht kann, ist vielleicht das Beste an meinem Leben. Bert Brecht hat mal gesagt: Glücklich das Land, das keine Helden nötig hat. Ich lebe seit meiner Geburt in solch einem glücklichen Land. Ich wurde nie vor die Entscheidung gestellt, Hitlerjugend oder nicht, NS-Mitgliedschaft oder nicht, Jugendweihe oder Konfirmation, Stasi-Mitarbeit oder nicht – dafür bin ich unendlich dankbar, denn ich weiß nicht, wie ich mich in jungen Jahren entschieden hätte, wenn ich einer dieser Versuchungen ausgesetzt gewesen wäre. Ich habe mich im Verdacht, bei der Hitlerei oder der Stasi-Spitzelei mitgemacht zu haben, denn ich hatte noch keinen gefestigten Charakter als junger Mann. Insofern hatte ich einfach das Glück, zu einer günstigen Zeit an einem günstigen Ort in einem Land geboren zu werden, in dem Zivilcourage und so etwas wie Alltagsmut genügen. Daher dürfte die mutigste Entscheidung meines Lebens darin bestanden haben, vor 18 Jahren meine sichere, gut bezahlte Festanstellung aufgegeben zu haben, um zwei Kinder großzuziehen und mich als freier Autor durchzuschlagen. Und ich habe einigen Angeboten widerstanden, die finanziell lukrativ gewesen wären, mich aber gehindert hätten, jederzeit frei meine Meinung zu veröffentlichen. Aber dazu gehörte nicht viel Mut.

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