Wozu dieses Buch?

Die verkaufte Demokratie

Warum dieses Buch?

Für den Rest meines Lebens habe ich einen Wunsch, der eigentlich bescheiden anmutet und dennoch unerfüllbar erscheint: dass meine Kinder, wenn sie mal so alt sein werden, wie ich heute bin, im Rückblick auf ihr Leben dasselbe sagen können wie ich, nämlich nie etwas anderes kennengelernt zu haben als Frieden und Freiheit und Wohlstand.

Sie selbst sind unbescheidener. Sie träumen davon, eines Tages ums ganze Mittelmeer herumzufahren und dabei durch eine einzige Zone der Freiheit zu kommen, in der Menschen unterschiedlichster Kulturen friedlich und freundlich miteinander leben und arbeiten. Sie möchten den weltgeschichtlichen Ausnahmezustand, in dem wir seit rund sieben Jahrzehnten leben, in die Zukunft verlängern und auf die Länder ausweiten, in denen die Menschen derzeit noch unter erbärmlichen Umständen leben.

Ich mache mir diesen Traum zu eigen und weiß doch zugleich, wie utopisch er ist. Träume erfüllen sich nie. Aber man braucht sie, um zu wissen, wofür zu leben und zu kämpfen sich lohnt, und wo das geschieht, stellt sich zwar nicht das Paradies ein, aber eine bessere Welt. Sklaven, Schwarze, Arbeiter, kolonialisierte Völker haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie durch organisiertes Handeln ihr Schicksal verbessern können. Frauen, Schwule, Lesben beweisen es gerade. Ihnen allen verdanken wir eine Gesellschaft, die besser, freier, gerechter ist als frühere Gesellschaften gewesen waren. Ihnen verdanken wir die freiheitliche, demokratische Zivilgesellschaft, den Garten des Menschlichen.

Der aber war noch nie so bedroht wie heute, gleich von mehreren Seiten, und zwar von

  • einem Wirtschaftstotalitarismus, der den Menschen und den Planeten einer Totalverwertung unterwirft;
  • der Gleichgültigkeit der Vielen, die sich nicht wie Demokraten, sondern nur noch wie Konsumenten verhalten und irrtümlich annehmen, unsere Demokratie erhalte sich von selbst;
  • einem Geiz-ist-geil-Charakter, der alles immer noch billiger haben will und durch seine privaten Kaufentscheidungen Kaskaden von Entscheidungen auslöst, die zur Plünderung und Zerstörung unseres Planeten führen;
  • einer politischen Klasse, die in den meisten Ländern dieser Welt korrupt, verlogen, unfähig und lobbyistenhörig ist;
  • Nationalisten, religiösen Fundamentalisten, misogynen, homo- und xenophoben Rechtspopulisten;
  • der Totalüberwachung durch Geheimdienste und Big-Data-Konzerne und einer Technik, die nicht mehr für den Menschen da ist, sondern gegen Menschen eingesetzt wird;
  • der schleichenden Zerstörung der wichtigsten Währung der Welt: Vertrauen.

Das derzeit wichtigste politische Problem in Europa ist daher nicht die Schuldenkrise, nicht der Euro, auch nicht der Klimawandel, die Energiewende oder die Flüchtlingswelle. Es ist nicht die Demographie oder die mangelnde Integration. Die Bildung ist es nicht, nicht das Geschlechterverhältnis und nicht die wachsende soziale Ungleichheit. Das wichtigste Problem aller Demokratien ist die Demokratie selbst. Diese funktioniert in kaum einem der Land der Welt noch richtig. Davon handelt dieses Buch. Und davon, was geschehen muss, damit die Demokratie wieder funktioniert.